Drohende Dieselfahrverbote: ARBEITGEBER KÖLN mahnen zu besonnenem Vorgehen

Vor dem Hintergrund der heute ergangenen Diesel-Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, das Städten den Weg zu Fahrverboten ebnet, mahnte Wolfgang Reß, Geschäftsführer von ARBEITGEBER KÖLN e. V., zur Besonnenheit: „Wir sind alle daran interessiert, die Luft in unseren Städten zu verbessern. Doch wir dürfen dabei nichts übers Knie brechen.“ Mit einem Schnellschuss der Politik sei niemandem gedient, daher plädiere er für vernünftige Übergangslösungen und Ausnahmeregelungen. „Otto Normalverbraucher kann sich nicht jedes Jahr ein neues Auto leisten. Und auch mancher Handwerksbetrieb kommt in große Not, wenn er von jetzt auf gleich seine Dieselflotte ersetzen oder nachrüsten muss.“ Weiter sei auch die Vielzahl der Lieferverkehre zu beachten, die die Läden, Supermärkte und Haushalte der Stadt täglich belieferten. Ohne diese Verkehre, die in der Regel mit Diesel-Nutzkraftwagen erfolgten, käme die Nahversorgung der Bürgerinnen und Bürger schnell ins Straucheln.

In diesem Zusammenhang appellierte er in Richtung Kölner Stadtspitze, jetzt alles daran zu setzen, den ÖPNV weiter auszubauen und für ein intelligentes Verkehrsmanagement zu sorgen. Aktuell platze der Kölner Nahverkehr aus allen Nähten. Zudem seien noch längst nicht alle Stadtgebiete gut ans Streckennetz angeschlossen. Hier sehe er erheblichen Nachholbedarf. „Wer ein geändertes Mobilitätsverhalten der Bürger erreichen möchte, muss auch gute Alternativen zum Auto anbieten“, schloss Reß an. Auch müsse zum Beispiel durch sinnvolle Ampelschaltungen dafür gesorgt werden, dass der Autoverkehr in der Stadt „flüssiger“ laufe, um die Luftqualität zu verbessern.

Köln im digitalen Wandel: „Umbruchprozess erfordert Mentalitätswandel in der Verwaltung“

„Die digitale Transformation durchdringt alle Bereiche unseres Alltagslebens. Die Wirtschaft ist hierdurch einem rasanten Wandel unterworfen“, resümierte Michael Jäger, Vorsitzender von ARBEITGEBER KÖLN e. V., anlässlich des 18. Katerfrühstücks von ARBEITGEBER KÖLN und NetCologne vor rund 200 Gästen. Auch die Stadtverwaltung müsse sich auf die digitale Zeitenwende einstellen. Er unterstütze daher das Bestreben der Stadtspitze, die Stadtverwaltung noch digitaler und kundenfreundlicher gestalten zu wollen. Ihm sei bewusst, dass solche Umbruchprozesse Zeit und Energie bräuchten und dabei der Faktor Mensch nicht zu unterschätzen sei. „Dennoch führt am erforderlichen Mentalitätswandel kein Weg vorbei, um die digitale Verwaltung von morgen erfolgreich zu gestalten“, schloss Jäger an.

In Richtung Unternehmerschaft mahnte er: „Der digitale Wandel geht alle an – Digitalisierung ist keinesfalls nur ein Thema für Großbetriebe. Auch kleinere und mittlere Unternehmen müssen sich die Thematik auf die Fahnen schreiben, um nicht den Anschluss zu verlieren.“

Dies bekräftigte auch Timo von Lepel, Geschäftsführer von NetCologne, der von dem Projekt DigitalNetCologne, der Digitalisierungsoffensive für die Stadt Köln, berichtete. Das Ausbauvorhaben umfasst die zehn größten Gewerbegebiete und mehr als 100.000 zusätzliche Haushalte, die direkt an das Glasfasernetz des Kölner Anbieters angeschlossen werden. Damit erreicht NetCologne 70 Prozent aller Kölner Haushalte über die eigene digitale Infrastruktur – im deutschlandweiten Vergleich ein Spitzenwert.

Auch die Kölner Schulen werden profitieren: „Wir haben bereits zwei Drittel der Schulen am Glasfasernetz, im Laufe des Jahres werden die restlichen 100 folgen“, so von Lepel. Und auch das öffentliche WLAN soll weiter wachsen: „Allein an den Jecken Tagen haben sich über 180.000 Nutzer in das Hotspot.Koeln-Netz in der Innenstadt eingewählt. Das zeigt, dass der Zugang zur digitalen Infrastruktur immer selbstverständlicher wird. Mit unserer Digital-Offensive legen wir den Grundstein, um die Vorreiterrolle Kölns als ´Digitale Hauptstadt´ weiter auszubauen.“

Unter dem Motto „Auf dem Weg zur Digitalmetropole: Nutzt Köln sein Potenzial?“ diskutierten im Rahmen des Katerfrühstücks Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Prof. Dr. Tobias Kollmann (Universität Duisburg-Essen, Lehrstuhl für E-Business und E-Entrepreneurship), Timo von Lepel und Sebastian Bächer (Geschäftsführer Bächer Bergmann GmbH). Durch die Veranstaltung führten Rebecca Otten (Radio Köln) und Stefan Sommer (Leiter der Lokalredaktion Köln der Kölnischen Rundschau).

v.l.n.r.: Stefan Sommer (Kölnische Rundschau), Timo von Lepel (Geschäftsführer NetCologne GmbH),
Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Prof. Dr. Tobias Kollmann (Universität Duisburg-Essen),
Sebastian Bächer (Geschäftsführer Bächer Bergmann GmbH), Rebecca Otten (Radio Köln),
Michael Jäger (Vorsitzender ARBEITGEBER KÖLN e. V.), Wolfgang Reß (Geschäftsführer
ARBEITGEBER KÖLN e. V.), Nicolai Lucks (Kreishandwerksmeister Kreishandwerkerschaft Köln)

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer: Koalitionsvertrag ist in weiten Teilen enttäuschend

Zum Abschluss der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und SPD erklärt Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer:

„Aus Sicht der deutschen Wirtschaft sind die Ergebnisse in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik weitgehend enttäuschend, vieles bleibt wirtschaftlich unvernünftig und bedeutet weniger Flexibilität für die Unternehmen, dafür aber ein Mehr an Belastung und Regulierung.

Eine Große Koalition muss die demographischen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte für unsere Volkswirtschaft bewältigen. Dies wurde nicht erreicht.

Der Vertrag ist geprägt von rückwärtsgewandter Umverteilung und unverantwortlicher Belastung der jungen Generation, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen für die Zukunft abzusichern. Im Vergleich zum Sondierungsergebnis bedeutet der Koalitionsvertrag eine dramatische Verschlechterung aus Sicht der Wirtschaft.

Lediglich im Bildungsbereich, beim Ausbau der Kinderbetreuung und bei der Neuregelung der Zuwanderung ist Solides und in die Zukunft Gerichtetes erreicht worden.

Ja, es hätte natürlich schlimmer kommen können. Aber es hätte nachhaltig sehr viel besser sein müssen.“

Drohende Dieselfahrverbote: ARBEITGEBER KÖLN sehen Versäumnisse bei der Stadt

„Die Stadt macht es sich zu einfach, wenn sie der Automobilindustrie und dem Bund alleine den Schwarzen Peter für die schlechte Luftqualität in Köln zuschiebt“, kommentierte Wolfgang Reß, Geschäftsführer von ARBEITGEBER KÖLN e. V., die Ergebnisse des Aviso-Gutachtens im Auftrag der Stadt. Auch halte er die Pauschalverunglimpfung einer ganzen Branche als „kriminell“ seitens des Kölner Sozialdezernenten für ungerechtfertigt und „im Ton völlig daneben“. Es sei an der Zeit, die eigene Verkehrspolitik der vergangenen Jahrzehnte kritisch zu hinterfragen und sich Versäumnisse einzugestehen, argumentierte Reß in Richtung Stadtspitze. „Es reicht eben nicht, den Autoverkehr so unattraktiv wie möglich zu machen.“ Man müsse den Bürgern schon ein vernünftiges Alternativangebot machen, um vom Auto auf andere Verkehrsträger umzusteigen. Denn der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs sei viel zu zögerlich erfolgt. Zudem sei es bei der Ausweisung neuer Wohngebiete versäumt worden, zuvor eine ÖPNV-Anbindung sicherzustellen. Auch trügen die vielen Baustellen und die unsinnigen Ampelschaltungen zum täglichen Stau und somit auch zur Erhöhung der Luftverschmutzung bei. Auf diese Missstände habe ARBEITGEBER KÖLN in den vergangenen Jahren wiederholt hingewiesen, ohne dass eine spürbare Änderung eingetreten sei.

Mit Blick auf die Wirtschaft mahnte Reß: „Gerade das Handwerk setzt noch auf Dieseltechnologie. Diese Unternehmen können ihre Fahrzeugflotten nicht von jetzt auf gleich austauschen.“ Ein Dieselfahrverbot käme einer Enteignung gleich. Er plädiere daher für vernünftige Übergangslösungen, die Bürger und Wirtschaft nicht im Regen stehen lassen.

Landtagswahl 2017: Ich gehe wählen!

Am 14. Mai 2017 wird es spannend, NRW wählt seinen Landtag. An diesem Tag gilt es, mitzuentscheiden, wer für die kommenden fünf Jahre das Land regieren soll. Erstmals können sich laut Umfragen sechs Parteien ernsthaft Hoffnung auf einen Einzug ins Landesparlament machen.

Die ARBEITGEBER KÖLN rufen daher alle Bürgerinnen und Bürger Nordrhein-Westfalens mit ihrer Kampagne „Ich gehe wählen!“ auf, am 14. Mai von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und zu einer hohen Wahlbeteiligung beizutragen. Für Michael Jäger, den Vorsitzenden der ARBEITGEBER KÖLN, gibt es viele gute Gründe, seine Stimme abzugeben. Als gebürtiger Nordrhein-Westfale geht er wählen, weil ihm „NRW am Herzen liegt!“.

„Mit der Aktion „Ich gehe wählen!“ rufen wir dazu auf, dass jede Bürgerin und jeder Bürger Nordrhein-Westfalens den politischen Kurs in unserem Land mitbestimmt. Kern der Demokratie ist, dass die politisch Verantwortlichen – auf Zeit und durch freie Wahlen – durch die Gesellschaft legitimiert werden. Für unsere Demokratie ist es unerlässlich, dass wir unser Recht auf Wahl auch ausüben.“, so Wolfgang Reß, Geschäftsführer der ARBEITGEBER KÖLN. Im Mittelpunkt der Aktion stehen Mitglieder Kölner Unternehmen und Institutionen, die mit ihrem Gesicht und einem persönlichen Statement dafür werben, wählen zu gehen, denn: Jede Stimme zählt!

Auf der Homepage der ARBEITGEBER KÖLN finden sich unter dem Motto „Ich gehe wählen, weil…“ viele weitere gute Gründe, den Gang zur Wahlurne anzutreten: https://www.arbeitgeber-koeln.de/

Auch der DGB Köln-Bonn, die Industrie- und Handelskammer zu Köln sowie die Handwerkskammer zu Köln rufen mit dem Slogan „Ich gehe wählen!“ zur Beteiligung an der Landtagswahl auf.

Kölner Verkehrssystem fährt am Limit – ARBEITGEBER KÖLN fordern intelligenten Mobilitätsmix

„Das Verkehrssystem fährt am Limit – was die Kapazitäten, aber auch was die Instandhaltung angeht“, analysierte Michael Jäger, Vorsitzender von ARBEITGEBER KÖLN, die angespannte Verkehrslage in Köln beim 17. Katerfrühstück von ARBEITGEBER KÖLN und NetCologne. Gerade der desolate Zustand der Rheinbrücken führe zu Umwegen und Ausweichverkehren, dies koste die Firmen Zeit und Geld. Angesichts steigender Bevölkerungs- und Einpendlerzahlen sei zudem mit einer weiteren Verschärfung der Situation zu rechnen. „Wir brauchen umso mehr einen Mobilitätsmix, der alle Verkehrsträger sinnvoll miteinander verbindet“, forderte Jäger. Allein das Autofahren so unattraktiv wie möglich zu machen, greife zu kurz. Sinnvoller sei, die Voraussetzungen für ein geändertes Mobilitätsverhalten zu schaffen und die richtigen Anreize zu setzen. Weiter ging Jäger auf die angedachten Dieselfahrverbote zur Verbesserung der Luftqualität ein. Hierdurch sei nicht nur die Wirtschaft alarmiert. Logistik und Handwerk setzten bei Fahrzeugen noch überwiegend auf Dieseltechnologie. Eine Umstellung sei nicht mit einem Federstrich zu erreichen. Er sei daher über die Zusicherung der Oberbürgermeisterin froh, die berechtigten Interessen der Wirtschaft bei dem Thema Luftreinhaltung nicht aus dem Auge verlieren zu wollen, betonte Jäger.

Im Rahmen des Katerfrühstücks diskutierten Claudia Schall (Chefredakteurin von Radio Köln) und Stefan Sommer (Leiter der Lokalredaktion Köln der Kölnischen Rundschau) mit Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Verkehrsdezernentin Andrea Blome, Sozial- und Umweltdezernent Dr. Harald Rau, ADAC-Verkehrsexperte Dr. Roman Suthold, Kreishandwerksmeister Nicolai Lucks und Rainer Ludwig, Geschäftsführer der Ford-Werke GmbH, über die Herausforderungen der Kölner Politik im Bereich Verkehr und Wirtschaft.

12. Kölner Arbeitgebertag: Populistischen Tendenzen Einhalt gebieten – Dialog mit den USA jetzt erst recht intensivieren

„Deutschland und die USA verbindet eine langjährige Freundschaft, die auf Werten wie Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit basiert“, erklärte Michael Jäger, Vorsitzender von ARBEITGEBER KÖLN,  in seiner Eröffnungsrede anlässlich des 12. Kölner Arbeitgebertages. Auch wenn Äußerungen des künftigen US-Präsidenten Trump bei Deutschen und Europäern oftmals auf Unverständnis stießen, betonte er: „Wir wollen uns nicht auf das Trennende, sondern auf das Verbindende besinnen.“ Zudem sprach er sich dafür aus, den Dialog mit den USA jetzt erst recht fortzuführen und zu intensivieren.

Gleichzeitig forderte Jäger von Politik und Gesellschaft dem Populismus entschieden entgegenzutreten. „Politische Eliten und eine große Zahl der Bürger scheinen einander entfremdet“. Bei zentralen Fragen wie der Bewältigung der Flüchtlingskrise habe die Politik den Bürger zu wenig mitgenommen, dies sei Teil des Problems. Zugleich verurteilte er Angriffe auf Politiker, wie sie während der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden stattfanden, entschieden. Jäger warnte davor, derartige Auswüchse als ostdeutsches Randproblem abzutun. „Richtig ist, dass wir uns mit den Sorgen und Nöten der Menschen ernsthaft auseinander setzen müssen. Aber wir müssen auch klare Grenzen aufzeigen.“, betonte er.

Ein Höhepunkt des diesjährigen Arbeitgebertages war die Rede von Christian Lindner MdL, Bundesvorsitzender der FDP und Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion NRW, zu dem Thema „Warum Deutschland ein Update braucht – Ausblick auf das Wahljahr 2017“. Daran anknüpfend beschäftigte sich Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Direktor der NRW School of Governance, mit dem Thema „Superwahljahr 2017: Labile Mehrheiten in einer Aufregungsdemokratie“.

ARBEITGEBER KÖLN: Brexit bremst den Handel aus

„Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union birgt ein deutliches Risiko für unsere lokale Wirtschaft.“, kommentierte Wolfgang Reß, Geschäftsführer von ARBEITGEBER KÖLN, den Ausgang des Referendums. Schließlich sei das Land der drittwichtigste Exportmarkt für die Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen. In den kommenden zwei Jahren müssten die Handelsbeziehungen neu geregelt und über Marktzugänge und Standards verhandelt werden. Hierdurch befürchtet Reß negative Auswirkungen für den Absatz deutscher Produkte. „Der Handel wird durch den Brexit erst mal ausgebremst, zumal ich auch negative Folgen für die Wirtschaftsleistung Großbritanniens erwarte.“ Dies werde sich auf die Nachfrage nach Produkten aus dem Großraum Köln auswirken. Betroffen seien insbesondere die für die Region bedeutsamen Branchen Automobilindustrie, chemische Industrie und pharmazeutische Industrie, deren Erzeugnisse von den Briten besonders nachgefragt werden.

unternehmer nrw bezeichnen Novelle des Tariftreue- und Vergabegesetzes als einen Schritt in die richtige Richtung Dr. Mallmann: „Das Gesetz bleibt aber Bürokratie-Symbol in Nordrhein-Westfalen“

Die nordrhein-westfälischen Unternehmer haben den Entwurf zur Novellierung des Tariftreue- und Vergabegesetzes (TVgG-NRW) als einen Schritt in die richtige Richtung bezeichnet. Das Gesetz bleibe aber ein Symbol für Bürokratie in Nordrhein-Westfalen. „Es zeugt nicht von Willkommenskultur für Unternehmertum in unserem Land, wenn ein Unternehmer sich zusätzlich durch 200 Seiten Gesetzestext und Erläuterungen kämpfen muss, bevor er einen öffentlichen Auftrag erhält“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen (unternehmer nrw), Dr. Luitwin Mallmann, am Dienstag in Düsseldorf. Die jetzt vorgelegte Novelle sei eine fällige, aber noch unzureichende Antwort der Landesregierung auf das von der Wirtschaft als mittelstands- und wettbewerbsfeindlich kritisierte und vor vier Jahren verabschiedete Gesetz.

 Es sei erfreulich, so Mallmann, dass die Novelle mit dem Irrsinn des Doppel-Mindestlohns in den nächsten zwei Jahren Schluss mache. „Es gibt keinen Grund dafür, warum bei der Auftragsvergabe in NRW ein deutlich höherer Mindestlohn gelten muss als der bundesweite gesetzliche Mindestlohn“, betonte er. Bei dem Schwellenwert des Auftragsvolumens, ab dem Unternehmen für die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen in ihrer Zulieferkette garantieren müssen, sei die Landesregierung „leider auf dem halben Weg stehen geblieben“. Zwar sei die Grenze von 500 Euro auf jetzt 5.000 Euro angehoben worden. Notwendig für eine echte Entlastung der Unternehmen wäre allerdings mindestens eine Festsetzung auf den allgemeinen Schwellenwert von 20.000 Euro gewesen.

Nach Worten Mallmanns erkennen die NRW-Unternehmensverbände die „Einführung des Bestbieter-Prinzips“ zwar an, wonach künftig nur noch jene Unternehmen den Nachweis-Pflichten des Gesetzes nachkommen müssen, die einen Auftrag erhalten. „Das ist aber nur eine kleine Erleichterung für die Betriebe“, kritisierte der Hauptgeschäftsführer. Denn auch die neue Regelung entbinde die Unternehmen nicht von der Aufgabe, bereits im Bewerbungsverfahren zu prüfen, ob sie die Anforderungen des Gesetzes erfüllen können. Damit ändere sich unter dem Strich nur wenig am erforderlichen bürokratischen Aufwand für die Unternehmen. Dies werde auch künftig viele Unternehmen davon abhalten, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen. „Das TVgG-NRW verhindert damit nach wie vor mehr Wettbewerb in unserem Land“, sagte Mallmann.

Die NRW-Unternehmensverbände forderten die Landesregierung auf, im anstehenden Gesetzgebungsverfahren noch einmal erkennbar nachzubessern. Ausserdem gelte es, bei der noch zu verabschiedenden Rechtsverordnung zum Gesetz substanzielle Vereinfachungen für den Nachweis der Sozialkriterien zu schaffen.

„Mittelstand trifft Minister“ in der IHK Köln

Bundesminister Gabriel diskutiert Aktionsprogramm mit Kölner Unternehmerinnen und Unternehmern

Mehr als 200 Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region Köln folgten heute der gemeinsamen Einladung von ARBEITGEBER KÖLN, Handwerkskammer zu Köln und Industrie- und Handelskammer zu Köln zum Dialog mit Sigmar Gabriel. Die Teilnehmer diskutierten mit dem Bundesminister u. a. über die Themen Bürokratieabbau, Digitalisierung, Fachkräfte, Finanzierung und Gründergeist. Gabriel stellte das Aktionsprogramm „Zukunft Mittelstand“ des BMWi vor, das aus einer gemeinsamen Erklärung mit den drei Spitzenverbänden der Wirtschaft, BDI, ZDH und DIHK im Juli 2015 hervorgegangen war. In dieser hatten sich die Kooperationspartner auf eine moderne Mittelstandspolitik verständigt.

Unternehmen unterstützen, Wachstum fördern
„Mit dem Aktionsprogramm wollen wir den Mittelstand bei den aktuellen Herausforderungen, von einer alternden Gesellschaft über die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt bis hin zur Digitalisierung unterstützen“, sagte der Bundesminister. Im Rahmen des Programms stärke man u. a. die duale Berufsausbildung, helfe den Unternehmen mit Willkommenslotsen bei der Integration der Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit und informiere mit „Mittelstand 4.0″-Kompetenzzentren über digitale Chancen. „Vor allem auf die beiden Herausforderungen Digitalisierung und Integration von Flüchtlingen haben wir bereits früh reagiert und sind im Sinne unserer Mitgliedsunternehmen gut vorbereitet. Mit unserer Initiative Digital Cologne unterstützen wir kleine und mittlere Unternehmen bei der Bewältigung der digitalen Transformation. Und mit den Maßnahmenprogrammen „AusbildungsPerspektive“ und „ArbeitsPerspektive“ unserer IHK-Stiftung helfen wir Flüchtlingen dabei, sich möglichst reibungslos in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren. Für einen Erfolg sind aber auch optimale Rahmenbedingungen notwendig. Der zügige Ausbau der Breitbandnetze für eine gelungene Digitalisierung genau so wie verlässliche ausländerrechtliche Rahmenbedingungen für die Integration der geflüchteten Menschen in unsere Unternehmen“, sagte Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Sigmar Gabriel versprach, den ambitionierten Breitbandausbau weiter zu fördern. Zudem sollen die Unternehmen von unnötiger Bürokratie entlastet werden, „um diesen noch mehr Luft für Investitionen zu verschaffen“, so der Bundesminister.

Die Zukunft des Mittelstands im Fokus
Gabriel lobte außerdem den „besonderen Spirit“ der mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmer. Die Kombination aus Leistungsbereitschaft und Gemeinwohlorientierung hätte Deutschland erfolgreich durch viele schwierige Zeiten gebracht. „Mit ihren pfiffigen Ideen, ihrer Ausbildungsbereitschaft und Treue zu ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind sie Motor und Herzstück unserer Volkswirtschaft“, sagte der Bundesminister. Rüdiger Otto, Vizepräsident der Handwerkskammer zu Köln, wies auf die Erfolgsbilanz am Arbeitsmarkt hin, die ganz wesentlich dem Mittelstand zu verdanken sei. Gleichzeitig beklagte Otto die Versäumnisse bei Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und in das Bildungswesen. „Diese führen zu einem Engpass, der die Expansionschancen der mittelständischen Wirtschaft gerade in unserer Region schmälert“, sagte Otto. Wolfgang Reß, Geschäftsführer von ARBEITGEBER KÖLN, sprach sich für eine Industriepolitik aus, die Lösungen für die großen Herausforderungen wie Energiewende und demografischer Wandel bietet. „Die mittelständisch geprägte Industrie NRWs hat einen schweren Stand – und nicht nur, weil hier viele energieintensive Branchen angesiedelt sind. Wir brauchen neben einer besseren Industrieakzeptanz vor allem das richtige Fundament für Investitionen und Innovationen“, sagte Reß.

Die Ergebnisse aus der heutigen und den noch folgenden Dialogveranstaltungen sollen am 31. Mai 2016 auf einem Mittelstandsgipfel im Bundeswirtschaftsministerium vorgestellt werden.